Staubtrockenheit
Sie sind überall. Mit ihren Brillen und streng nach hinten gekämmten Pferdeschwänzen, die unsere angehenden Akademikerinnen aussehen lassen wie Zwölfjährige. Mit überpuderten Pickeln, weggespartem Lippenstift. Sie tragen Hosen, körperbetont mit der Betonung auf wenig ausgewogene und schon gar nicht wogende Hinterteile. In der Linguistik ist es das Gleiche wie in den Naturwissenschaften und in der Abteilung für Psychologie. Nur in die Kulturwissenschaften verirren sich vereinzelt praktizierende Ästhetinnen, die jedoch, wenn ich das nächste Mal aufblicke, eine besitzergreifende Pranke auf ihrer Schulter liegen haben. Von einem männlichen Wesen, das eher zur ersten Kategorie Frau gepasst hätte, versteht sich.
Heute erklimme ich, meine Bücher unter dem Arm, die Wendeltreppe zur Philosophie. Das Thema für mein Referat hat mich nach einer halben Stunde des Ringens gepackt. Nach zwei Stunden jedoch fangen die Buchstaben unter meinen Augen an zu einem hellgrauen Brei zu verfließen und mir wird klar, dass der Inhalt der Zeilen schon seit der letzten Seite nicht mehr zu mir vorgedrungen war. Ich lege die Brille beiseite und breite die Arme über meinen Spiralblock und lege den Kopf in die weiche Mulde. Das Papier bildet eine Isolationsschicht zwischen meiner Wange und der Nacktheit des lackierten Holzes. Nirgends kann man so wunderbar schlafen wie in einer Bibliothek. Die gedämpften Geräusche verwischen zu dem so genannten weißen Rauschen, das einen an die Zeit im Mutterleib erinnern soll.
Ich hörte eine weiche Stimme. Sie ließ mich aus dem Uterus auftauchen und am Ufer der Realität stranden, wo allerdings ein sehr weich gezeichnetes Dekolleté in meinen Blick fiel. Ich setzte die Brille auf und war begeistert darüber, dass der Weichzeichner nur unwesentlich nachließ.
Du hast das einzige Exemplar, sagte die weiche Stimme; ich müsste nur das Inhaltsverzeichnis kopieren.
Sie entschuldigte sich dafür, dass sie mich geweckt hatte.
Nein, das war gut, ich hab so viel zu tun, sagte ich und tat schlaftrunken, obwohl ich innerlich schon am Drähte ziehen war. Wie ließen sich meine Wünsche miteinander verbinden, da sich die Cafeteria auf der einen und der Kopierer auf der anderen Etage befanden?
Ich bräuchte auch eine Kopie, sagte ich nach dem Durchleben von Stundensekunden denkerischer Höchstleistung. Am Kopierer fiel mir auf, dass ich meine Chipkarte nicht dabei hatte und sie lud mich auf fünf Kopien ein, worauf ich sie auf einen Kaffee einladen konnte. Ich trank zwei Espressi, während sie an ihrem Milchkaffee nippte. Dann nahm ich die junge Frau mit zu mir nach Haus. Ich hatte noch deutlich im Ohr, wie sie sagte, sie hätte mich überall gesucht, weil es nur ein Exemplar gab, wie man ihr an der Ausleihe mitgeteilt hatte und ich sagte mir, nun, da sie mich gefunden hatte, konnten wir ja gleich zu mir gehen.
Sie kam aus dem Bad halb entkleidet zurück, den Rest ihrer Kleidung legte sie vor meinen Augen ab. Sie löste auch ihren Haarknoten und das rossbraune Haar wallte zu beiden Seiten herunter wie bei einer Figur von Edgar Munch. Sie ließ sich auf mir nieder. Mit dem Auskleiden war ich doppelt so schnell gewesen wie sie, aber angesichts ihrer ausgeprägten Reize fühlte ich mich voll gerüstet und im Klaren darüber, an ihren überweichen Klippen zu bersten. Sie überflutete mich mit ihren samtenen Haaren, unter der meine Haut lustvoll zu Gänsehaut gefror. Etwas Warmes, Feuchtes ging von ihrer Körpermitte aus und schwappte in meinen Schoß, wo mein Fischlein zuckend zu immer ungeheuer werdender Größe anwuchs und sich in den Lippen ihres zweiten Gesichtes wand. Das Wasser überströmte meine Brust, stieg zum Hals. Es schmeckte salzig, es überspülte mich, ein Blubbern entglitt mir, sie wand sich auf mir, schrie lustvoll - Cri du chat - fiel mir ein und ich war stolz darauf, auch in dieser Lage noch Herr über mich zu sein, sie sang wie eine Sirene, wie das Signal der Bibliotheksansage. Sehr geehrte Nutzer. Wir schließen in wenigen Minuten. Ich hob den Kopf. Mein Rachen fühlte sich rau an. Eine Pfütze aus Speichel hatte sich auf meinem Spiralblock gesammelt.
Alle Rechte vorbehalten
Heute erklimme ich, meine Bücher unter dem Arm, die Wendeltreppe zur Philosophie. Das Thema für mein Referat hat mich nach einer halben Stunde des Ringens gepackt. Nach zwei Stunden jedoch fangen die Buchstaben unter meinen Augen an zu einem hellgrauen Brei zu verfließen und mir wird klar, dass der Inhalt der Zeilen schon seit der letzten Seite nicht mehr zu mir vorgedrungen war. Ich lege die Brille beiseite und breite die Arme über meinen Spiralblock und lege den Kopf in die weiche Mulde. Das Papier bildet eine Isolationsschicht zwischen meiner Wange und der Nacktheit des lackierten Holzes. Nirgends kann man so wunderbar schlafen wie in einer Bibliothek. Die gedämpften Geräusche verwischen zu dem so genannten weißen Rauschen, das einen an die Zeit im Mutterleib erinnern soll.
Ich hörte eine weiche Stimme. Sie ließ mich aus dem Uterus auftauchen und am Ufer der Realität stranden, wo allerdings ein sehr weich gezeichnetes Dekolleté in meinen Blick fiel. Ich setzte die Brille auf und war begeistert darüber, dass der Weichzeichner nur unwesentlich nachließ.
Du hast das einzige Exemplar, sagte die weiche Stimme; ich müsste nur das Inhaltsverzeichnis kopieren.
Sie entschuldigte sich dafür, dass sie mich geweckt hatte.
Nein, das war gut, ich hab so viel zu tun, sagte ich und tat schlaftrunken, obwohl ich innerlich schon am Drähte ziehen war. Wie ließen sich meine Wünsche miteinander verbinden, da sich die Cafeteria auf der einen und der Kopierer auf der anderen Etage befanden?
Ich bräuchte auch eine Kopie, sagte ich nach dem Durchleben von Stundensekunden denkerischer Höchstleistung. Am Kopierer fiel mir auf, dass ich meine Chipkarte nicht dabei hatte und sie lud mich auf fünf Kopien ein, worauf ich sie auf einen Kaffee einladen konnte. Ich trank zwei Espressi, während sie an ihrem Milchkaffee nippte. Dann nahm ich die junge Frau mit zu mir nach Haus. Ich hatte noch deutlich im Ohr, wie sie sagte, sie hätte mich überall gesucht, weil es nur ein Exemplar gab, wie man ihr an der Ausleihe mitgeteilt hatte und ich sagte mir, nun, da sie mich gefunden hatte, konnten wir ja gleich zu mir gehen.
Sie kam aus dem Bad halb entkleidet zurück, den Rest ihrer Kleidung legte sie vor meinen Augen ab. Sie löste auch ihren Haarknoten und das rossbraune Haar wallte zu beiden Seiten herunter wie bei einer Figur von Edgar Munch. Sie ließ sich auf mir nieder. Mit dem Auskleiden war ich doppelt so schnell gewesen wie sie, aber angesichts ihrer ausgeprägten Reize fühlte ich mich voll gerüstet und im Klaren darüber, an ihren überweichen Klippen zu bersten. Sie überflutete mich mit ihren samtenen Haaren, unter der meine Haut lustvoll zu Gänsehaut gefror. Etwas Warmes, Feuchtes ging von ihrer Körpermitte aus und schwappte in meinen Schoß, wo mein Fischlein zuckend zu immer ungeheuer werdender Größe anwuchs und sich in den Lippen ihres zweiten Gesichtes wand. Das Wasser überströmte meine Brust, stieg zum Hals. Es schmeckte salzig, es überspülte mich, ein Blubbern entglitt mir, sie wand sich auf mir, schrie lustvoll - Cri du chat - fiel mir ein und ich war stolz darauf, auch in dieser Lage noch Herr über mich zu sein, sie sang wie eine Sirene, wie das Signal der Bibliotheksansage. Sehr geehrte Nutzer. Wir schließen in wenigen Minuten. Ich hob den Kopf. Mein Rachen fühlte sich rau an. Eine Pfütze aus Speichel hatte sich auf meinem Spiralblock gesammelt.
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Autor.in - 1. Feb, 11:01
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