Kurze Geschichte vom langen Sex
Es beginnt mit einem lautlosen Vibrieren, das an den Schleudergang einer beladenen Waschmaschine erinnert, wenn sie sich allmählich in Schwung wuchtet und erst den Boden, auf dem sie steht, in Schwingung versetzt, sich dann auf die Wände überträgt, die mit dem Holzboden meines Zimmers verbunden sind und schließlich auf das Holzgestell meines Bettes. Ich spüre die Vibration in meinen Waden.
Wir liegen durchgeschwitzt nebeneinander, die Glückseligkeit ist auf dem Weg zum Fenster in den Gardinen hängen geblieben. Das Zittern beginnt von neuem, begleitet von einem weiblichen Röhren und einem männlichen Miauen, als vertauschten sich die Stimmen. Nach einer kleinen Pause ertönt in der Wohnung unter uns wieder der Bass des Mannes. Sie sprechen miteinander.
Meinen Freund überkommt es noch einmal, das merke ich daran, wie er sich an mich schmiegt und mich nicht nur mit seinem Bein in Beschlag nimmt, sondern von dieser Stellung einen kleinen Lustgewinn bezieht. Unter uns stöhnt und quietscht die Frau, als riefe sie um Hilfe. Die Scheiben im Fenster beginnen zu klirren.
Ich kann nicht, sage ich, und vom unterdrückten Lachen schüttelt es meinen Bauch. Das ist das erste Mal, dass ich im Bett laut spreche, bisher hatte ich geflüstert, als gälte es, etwas Heimliches zu bewahren. Meinem Freund liegt das Flüstern nicht, wenn er es versucht, muss er am Morgen einen Pfropf aus der Kehle husten.
Die Beiden unter uns haben den Sex ihres Lebens, sagt er.
Ein paar Wochen später geht unsere Beziehung in die Brüche. Ich frage mich, ob man nicht mit jedem Tag das Recht auf eine gemeinsame Zukunft erwirbt. Aber ich glaube, man hat kein Recht auf irgendetwas, außer zu sterben, maximal. Nach zwei Wochen taucht mein Freund mit einer Neuen auf. Nicht unser sichtbar gemachtes Ende macht mich wütend, sondern dass er unserer Geschichte keine Zeit zum Nachklingen lässt. Er überdeckt sie mit einer neuen Frau, mit der er nicht lange zusammen bleiben wird, das sehe ich auf den ersten Blick. Die Bettwäsche von unserem letzten Mal habe ich mit spitzen Fingern abgezogen, sie liegt gewaschen und ungebügelt im Schrank.
Es ist halb eins, der Boden vibriert. Ich frage mich, wie stabil so ein Gründerzeithaus eigentlich ist. Ob es nicht irgendwann Risse im Putz gibt, oder im Mauerwerk. Wir hatten den Sex des Lebens auf drei Jahre verteilt. Unter mir wieder das Gestöhn. Dann reden sie miteinander. Dann dröhnt auf der Straße ein Motor. Der Bass fährt zu seiner Frau nach Haus.
Wir liegen durchgeschwitzt nebeneinander, die Glückseligkeit ist auf dem Weg zum Fenster in den Gardinen hängen geblieben. Das Zittern beginnt von neuem, begleitet von einem weiblichen Röhren und einem männlichen Miauen, als vertauschten sich die Stimmen. Nach einer kleinen Pause ertönt in der Wohnung unter uns wieder der Bass des Mannes. Sie sprechen miteinander.
Meinen Freund überkommt es noch einmal, das merke ich daran, wie er sich an mich schmiegt und mich nicht nur mit seinem Bein in Beschlag nimmt, sondern von dieser Stellung einen kleinen Lustgewinn bezieht. Unter uns stöhnt und quietscht die Frau, als riefe sie um Hilfe. Die Scheiben im Fenster beginnen zu klirren.
Ich kann nicht, sage ich, und vom unterdrückten Lachen schüttelt es meinen Bauch. Das ist das erste Mal, dass ich im Bett laut spreche, bisher hatte ich geflüstert, als gälte es, etwas Heimliches zu bewahren. Meinem Freund liegt das Flüstern nicht, wenn er es versucht, muss er am Morgen einen Pfropf aus der Kehle husten.
Die Beiden unter uns haben den Sex ihres Lebens, sagt er.
Ein paar Wochen später geht unsere Beziehung in die Brüche. Ich frage mich, ob man nicht mit jedem Tag das Recht auf eine gemeinsame Zukunft erwirbt. Aber ich glaube, man hat kein Recht auf irgendetwas, außer zu sterben, maximal. Nach zwei Wochen taucht mein Freund mit einer Neuen auf. Nicht unser sichtbar gemachtes Ende macht mich wütend, sondern dass er unserer Geschichte keine Zeit zum Nachklingen lässt. Er überdeckt sie mit einer neuen Frau, mit der er nicht lange zusammen bleiben wird, das sehe ich auf den ersten Blick. Die Bettwäsche von unserem letzten Mal habe ich mit spitzen Fingern abgezogen, sie liegt gewaschen und ungebügelt im Schrank.
Es ist halb eins, der Boden vibriert. Ich frage mich, wie stabil so ein Gründerzeithaus eigentlich ist. Ob es nicht irgendwann Risse im Putz gibt, oder im Mauerwerk. Wir hatten den Sex des Lebens auf drei Jahre verteilt. Unter mir wieder das Gestöhn. Dann reden sie miteinander. Dann dröhnt auf der Straße ein Motor. Der Bass fährt zu seiner Frau nach Haus.
Autor.in - 1. Mrz, 00:01
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