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    <title>Short, but tender (Jeden Monat eine neue Story.)</title>
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    <description>Jeden Monat eine neue Story.</description>
    <dc:publisher>Autor.in</dc:publisher>
    <dc:creator>Autor.in</dc:creator>
    <dc:date>2008-07-17T16:41:12Z</dc:date>
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    <title>Short, but tender</title>
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    <title>Little heart</title>
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    <description>Sie liebt mich. Allerdings hätte sie mich, besäße sie eine Waffe, längst erschossen. Deshalb liegt im Öffnen meiner Wohnungstür ein gewisses Risiko. Weshalb ich mitunter die Tür nicht öffne und auf diese Weise schon eine eilige Zustellsache verpasst habe.&lt;br /&gt;
Ich liebe sie auch, aber es gibt Dinge, deren ich mir sicherer bin. Sie ist sich mit ihrem Übermaß an Einfühlung sicher, dass ich sie eigentlich, also wesentlich und theoretisch lieben würde, wenn es praktisch nicht so viele Wenn und Aber gäbe. Für meine reale, also unrichtige Erscheinung, findet sie wunderbare Erklärungen, z.B. für mein Zuspätkommen zum Abendessen mit ihren Eltern, das sie als Zeichen meiner Rücksichtnahme deutet. So brauche ich mir nie Entschuldigungen einfallen zu lassen, selbst wenn ich als ausgesprochen ausgehfreudiger Mensch ausgerechnet an ihrem freien Abend nicht ausgehen mag. Das Nichtöffnen meiner Tür hat auch nur in einem Drittel der Fälle mit anderen Frauen zu tun. Wirklich, sie ist das wunderbarste Wesen, das ich kenne.&lt;br /&gt;
Neulich hat sie mich verlassen. Sie hat mir zum Abschied etwas vor die Tür gestellt. Ich hörte sie durch die Risse im Holz atmen. Ihre energischen Schritte hallten durch das Treppenhaus.&lt;br /&gt;
Sie wollte immer ein Kind oder eine Katze und ich einen Porsche oder wenigstens einen Windhund.&lt;br /&gt;
Ich hob vorsichtig den Deckel des Pappkartons. Ein braunes Tier äugte mich mit schwarzen Kulleraugen an.&lt;br /&gt;
Hör mal, was soll ich denn mit so einem Tier, fragte ich Linda, Karla, Isabella, aber selbst die Frauen mit Kind ließen sich nicht zur Übernahme dieses Tieres erweichen. Jedes Mal, wenn ich auflegte, verstärkte sich das Gefühl, dass sie alle unter einer Decke stecken. Wenn eine Stimme am Telefon grinsen kann, dann habe ich dieses Grinsen gehört.&lt;br /&gt;
Ich hielt das Bad für einen geeigneten provisorischen Aufenthaltsort. Ich nahm die Futterschachtel, die Bürste, das Ratgeberbuch A-Z des Meerschweinchenglücks, die vakuumverschweißte Holzspäne Horrorvakui und den Beutel mit Stroh heraus und setzte das Meerschweinchen in den Käfig. Warum ausgerechnet ein Tier, das die Evolution mit einem Gehirn überstanden hat, das ungefähr so arbeitet wie ein Strickleiternervensystem? Es saß schweigend in der Ecke und kackte unter sich hin. Wenn ich das Bad betrat, begann es auf Knopfdruck loszufressen, ganz so, als wäre es seine letzte Mahlzeit. Vielleicht fraß es auch lieber in Gesellschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
weiterlesen in: Macondo- Die Lust am Lesen, Edition 19</description>
    <dc:creator>Autor.in</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 Autor.in</dc:rights>
    <dc:date>2008-07-01T16:38:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://shortbuttender.twoday.net/stories/4827247/">
    <title>Mehr ist weniger</title>
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    <description>Es gibt mehr! Allerdings nicht hier. Aus veröffentlichungstechnischen Gründen wird diese Internetpräsenz ab jetzt Monat um Monat schrumpfen.&lt;br /&gt;
There is more. But not here. This blog is shrinking monthly.&lt;br /&gt;
Carpe diem!</description>
    <dc:creator>Autor.in</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://shortbuttender.twoday.net/topics/Vermischtes&quot;&gt;Vermischtes&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 Autor.in</dc:rights>
    <dc:date>2008-04-01T09:15:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://shortbuttender.twoday.net/stories/4746749/">
    <title>Kurze Geschichte vom langen Sex</title>
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    <description>Es beginnt mit einem lautlosen Vibrieren, das an den Schleudergang einer beladenen Waschmaschine erinnert, wenn sie sich allmählich in Schwung wuchtet und erst den Boden, auf dem sie steht, in Schwingung versetzt, sich dann auf die Wände überträgt, die mit dem Holzboden meines Zimmers verbunden sind und schließlich auf das Holzgestell meines Bettes. Ich spüre die Vibration in meinen Waden.&lt;br /&gt;
Wir liegen durchgeschwitzt nebeneinander, die Glückseligkeit ist auf dem Weg zum Fenster in den Gardinen hängen geblieben. Das Zittern beginnt von neuem, begleitet von einem weiblichen Röhren und einem männlichen Miauen, als vertauschten sich die Stimmen. Nach einer kleinen Pause ertönt in der Wohnung unter uns wieder der Bass des Mannes. Sie sprechen miteinander.&lt;br /&gt;
Meinen Freund überkommt es noch einmal, das merke ich daran, wie er sich an mich schmiegt und mich nicht nur mit seinem Bein in Beschlag nimmt, sondern von dieser Stellung einen kleinen Lustgewinn bezieht. Unter uns stöhnt und quietscht die Frau, als riefe sie um Hilfe. Die Scheiben im Fenster beginnen zu klirren.&lt;br /&gt;
Ich kann nicht, sage ich, und vom unterdrückten Lachen schüttelt es meinen Bauch. Das ist das erste Mal, dass ich im Bett laut spreche, bisher hatte ich geflüstert, als gälte es, etwas Heimliches zu bewahren. Meinem Freund liegt das Flüstern nicht, wenn er es versucht, muss er am Morgen einen Pfropf aus der Kehle husten.&lt;br /&gt;
Die Beiden unter uns haben den Sex ihres Lebens, sagt er.&lt;br /&gt;
Ein paar Wochen später geht unsere Beziehung in die Brüche. Ich frage mich, ob man nicht mit jedem Tag das Recht auf eine gemeinsame Zukunft erwirbt. Aber ich glaube, man hat kein Recht auf irgendetwas, außer zu sterben, maximal. Nach zwei Wochen taucht mein Freund mit einer Neuen auf. Nicht unser sichtbar gemachtes Ende macht mich wütend, sondern dass er unserer Geschichte keine Zeit zum Nachklingen lässt. Er überdeckt sie mit einer neuen Frau, mit der er nicht lange zusammen bleiben wird, das sehe ich auf den ersten Blick. Die Bettwäsche von unserem letzten Mal habe ich mit spitzen Fingern abgezogen, sie liegt gewaschen und ungebügelt im Schrank.&lt;br /&gt;
Es ist halb eins, der Boden vibriert. Ich frage mich, wie stabil so ein Gründerzeithaus eigentlich ist. Ob es nicht irgendwann Risse im Putz gibt, oder im Mauerwerk. Wir hatten den Sex des Lebens auf drei Jahre verteilt. Unter mir wieder das Gestöhn. Dann reden sie miteinander. Dann dröhnt auf der Straße ein Motor. Der Bass fährt zu seiner Frau nach Haus.</description>
    <dc:creator>Autor.in</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://shortbuttender.twoday.net/topics/Stories&quot;&gt;Stories&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 Autor.in</dc:rights>
    <dc:date>2008-03-01T00:01:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://shortbuttender.twoday.net/stories/4660853/">
    <title>Staubtrockenheit</title>
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    <description>Sie sind überall. Mit ihren Brillen und streng nach hinten gekämmten Pferdeschwänzen, die unsere angehenden Akademikerinnen aussehen lassen wie Zwölfjährige. Mit überpuderten Pickeln, weggespartem Lippenstift. Sie tragen Hosen, körperbetont mit der Betonung auf wenig ausgewogene und schon gar nicht wogende Hinterteile. In der Linguistik ist es das Gleiche wie in den Naturwissenschaften und in der Abteilung für Psychologie. Nur in die Kulturwissenschaften verirren sich vereinzelt praktizierende Ästhetinnen, die jedoch, wenn ich das nächste Mal aufblicke, eine besitzergreifende Pranke auf ihrer Schulter liegen haben. Von einem männlichen Wesen, das eher zur ersten Kategorie Frau gepasst hätte, versteht sich.&lt;br /&gt;
Heute erklimme ich, meine Bücher unter dem Arm, die Wendeltreppe zur Philosophie. Das Thema für mein Referat hat mich nach einer halben Stunde des Ringens gepackt. Nach zwei Stunden jedoch fangen die Buchstaben unter meinen Augen an zu einem hellgrauen Brei zu verfließen und mir wird klar, dass der Inhalt der Zeilen schon seit der letzten Seite nicht mehr zu mir vorgedrungen war. Ich lege die Brille beiseite und breite die Arme über meinen Spiralblock und lege den Kopf in die weiche Mulde. Das Papier bildet eine Isolationsschicht zwischen meiner Wange und der Nacktheit des lackierten Holzes. Nirgends kann man so wunderbar schlafen wie in einer Bibliothek. Die gedämpften Geräusche verwischen zu dem so genannten weißen Rauschen, das einen an die Zeit im Mutterleib erinnern soll. &lt;br /&gt;
Ich hörte eine weiche Stimme. Sie ließ mich aus dem Uterus auftauchen und am Ufer der Realität stranden, wo allerdings ein sehr weich gezeichnetes Dekolleté in meinen Blick fiel. Ich setzte die Brille auf und war begeistert darüber, dass der Weichzeichner nur unwesentlich nachließ.&lt;br /&gt;
Du hast das einzige Exemplar, sagte die weiche Stimme; ich müsste nur das Inhaltsverzeichnis kopieren.&lt;br /&gt;
Sie entschuldigte sich dafür, dass sie mich geweckt hatte.&lt;br /&gt;
Nein, das war gut, ich hab so viel zu tun, sagte ich und tat schlaftrunken, obwohl ich innerlich schon am Drähte ziehen war. Wie ließen sich meine Wünsche miteinander verbinden, da sich die Cafeteria auf der einen und der Kopierer auf der anderen Etage befanden?&lt;br /&gt;
Ich bräuchte auch eine Kopie, sagte ich nach dem Durchleben von Stundensekunden denkerischer Höchstleistung. Am Kopierer fiel mir auf, dass ich meine Chipkarte nicht dabei hatte und sie lud mich auf fünf Kopien ein, worauf ich sie auf einen Kaffee einladen konnte. Ich trank zwei Espressi, während sie an ihrem Milchkaffee nippte. Dann nahm ich die junge Frau mit zu mir nach Haus. Ich hatte noch deutlich im Ohr, wie sie sagte, sie hätte mich überall gesucht, weil es nur ein Exemplar gab, wie man ihr an der Ausleihe mitgeteilt hatte und ich sagte mir, nun, da sie mich gefunden hatte, konnten wir ja gleich zu mir gehen.&lt;br /&gt;
Sie kam aus dem Bad halb entkleidet zurück, den Rest ihrer Kleidung legte sie vor meinen Augen ab. Sie löste auch ihren Haarknoten und das rossbraune Haar wallte zu beiden Seiten herunter wie bei einer Figur von Edgar Munch. Sie ließ sich auf mir nieder. Mit dem Auskleiden war ich doppelt so schnell gewesen wie sie, aber angesichts ihrer ausgeprägten Reize fühlte ich mich voll gerüstet und im Klaren darüber, an ihren überweichen Klippen zu bersten. Sie überflutete mich mit ihren samtenen Haaren, unter der meine Haut lustvoll zu Gänsehaut gefror. Etwas Warmes, Feuchtes ging von ihrer Körpermitte aus und schwappte in meinen Schoß, wo mein Fischlein zuckend zu immer ungeheuer werdender Größe anwuchs und sich in den Lippen ihres zweiten Gesichtes wand. Das Wasser überströmte meine Brust, stieg zum Hals. Es schmeckte salzig, es überspülte mich, ein Blubbern entglitt mir, sie wand sich auf mir, schrie lustvoll - Cri du chat - fiel mir ein und ich war stolz darauf, auch in dieser Lage noch Herr über mich zu sein, sie sang wie eine Sirene, wie das Signal der Bibliotheksansage. Sehr geehrte Nutzer. Wir schließen in wenigen Minuten. Ich hob den Kopf. Mein Rachen fühlte sich rau an. Eine Pfütze aus Speichel hatte sich auf meinem Spiralblock gesammelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Rechte vorbehalten</description>
    <dc:creator>Autor.in</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://shortbuttender.twoday.net/topics/Stories&quot;&gt;Stories&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 Autor.in</dc:rights>
    <dc:date>2008-02-01T11:01:00Z</dc:date>
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    <title>Blogseller</title>
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    <description>&lt;a href=&quot;http://shortbuttender.twoday.net/stories/3951204/&quot;&gt;&lt;b&gt;Die Wärterin &lt;/b&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
Autor.in - 1. Jun, 22:32&lt;br /&gt;
400mal gelesen&lt;br /&gt;
8 Kommentare - Kommentar verfassen</description>
    <dc:creator>Autor.in</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://shortbuttender.twoday.net/topics/Vermischtes&quot;&gt;Vermischtes&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 Autor.in</dc:rights>
    <dc:date>2008-01-30T10:15:00Z</dc:date>
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    <title>Hanane</title>
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    <description>Kaum hatten wir den Vorraum durchschritten, umgab uns der Geruch von Moos. In dichten Schleiern stieg die heiße Feuchtigkeit auf. Aus vergoldeten Schlangenköpfen floss unaufhörlich das Wasser. Ich füllte eine Schale und ließ das Wasser in die Zweite überschwappen, hin und wieder zurück. Ich hatte ein Tüchlein unter mich gelegt, so wie die Tante es mir gezeigt hatte. Wenn ich mich drehte und beugte, spürte ich den nassgesogenen Stoff. Ich ließ das Wasser über meinen Rücken laufen, dann über die Brüste. Es jagte mir einen Schauder ein, immer noch war es ein wenig zu heiß. Die Tante seifte mich ein, schrubbte meinen Rücken und schlug mit dem Lappen, dass es schäumte. Dabei dachte sie an den unglücklichen Onkel, der für ein Jahr von der Familie weggeschickt worden war, weil er seine schwarzen ausufernden Augen nicht von mir lassen konnte. Meine Beckenknochen scheuerten auf den Kacheln, aber ich gab keinen Ton von mir.&lt;br /&gt;
Ich trocknete mich ab und hüllte mich in ein Laken. Die Tante bestellte einen Tee für uns und ich ließ mich auf einem Teppich nieder, schob mir die Seidenkissen mit Knöpfen und goldenen Troddeln zurecht. Musik wurde angestellt. Ich nippte an dem Gläschen. Die Tante redete mit gedämpfter Stimme und flinken Handbewegungen mit den anderen Frauen, die wie Schiffe aus Fleisch auf einem trägen Meer wogten.&lt;br /&gt;
Ich träumte meinen liebsten Traum.&lt;br /&gt;
Ich hätte einen Raum für mich allein mit einem großen Spiegel darin. Vor ihm würde ich einen Tanz üben, mit dem ich meinem zukünftigen Mann gefallen würde. Wenn ich mir vorstellte, wie er sich mit begehrlichen Blicken bis zum Ende des Tanzes zügeln musste, sah ich Farshad, meinen mittleren Bruder vor mir. Der hart ausgestoßene Schlag der Musik drang in meinen Körper und wurde weich aufgefangen. Ich kreuzte die Enden eines dreieckigen Tuches über der Brust. Der durchscheinende Stoff glitt über meine Brüste. Die Fransen ahmten mit kitzelnden Schwüngen das ruckartige Winden meines Körpers nach. Ich griff in die Luft, um das schöne Gesicht meines Geliebten zu umschreiben. Ich schob meinen Rock in beiläufigen Bewegungen über die Hüften, sah Farshad an den Stäben des Brudergefängnisses rütteln und schreien, ohne das ein Ton aus ihm drang.&lt;br /&gt;
Zeit für die Massage, Hanane, sagte die Tante. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[...]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zu Ende lesen demnächst im Buchladen</description>
    <dc:creator>Autor.in</dc:creator>
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    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 Autor.in</dc:rights>
    <dc:date>2008-01-03T21:53:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://shortbuttender.twoday.net/stories/4541376/">
    <title>Spitzenreiter(in)</title>
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    <description>&lt;a href=&quot;http://shortbuttender.twoday.net/stories/3951204/&quot;&gt;&lt;b&gt;Die Wärterin&lt;/b&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
Autor.in - 1. Jun, 22:32&lt;br /&gt;
300mal gelesen&lt;br /&gt;
8 Kommentare - Kommentar verfassen</description>
    <dc:creator>Autor.in</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://shortbuttender.twoday.net/topics/Vermischtes&quot;&gt;Vermischtes&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 Autor.in</dc:rights>
    <dc:date>2007-12-17T11:58:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://shortbuttender.twoday.net/stories/4490277/">
    <title>Das Casanova-Gen</title>
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    <description>Seine Entzweiung vom Mutterleib und damit eigentlich von der ganzen Welt, hatte schon vor der offiziellen Geburt begonnen. Sie bedeutete die Glasscheiben des Brutkastens. Später trennten sich seine Eltern. Er sprach nicht oft darüber, aber es war schon klar, dass er sich mit dem Fehlen von Mutterbrust und funktionierendem Familienmodell aus der Verantwortung ziehen wollte. Sein Leben verlief als zickzackförmige Vorwärtsflucht auf der Spur einer jeweils brandheißen und bestenfalls großbusigen Frau. Manchmal geriet er an eine kleinbusige, familiäre Frau, aber immer kam etwas Neues dazwischen. Aus diesem Grund beschrieb er sein Telefonbuch nur mit Bleistift und konnte so die nicht mehr aktuellen Nummern problemlos ausradieren. Mit zweiunddreißig fühlte er sich eine Zeitlang todsterbenskrank. Der Arzt konnte nichts feststellen außer einer Katzenhaarallergie. Mit fünfundvierzig befiel es ihn noch mal, als seine ehemaligen Kommilitonen schon mit ihren Kindern Abituraufgaben lösten. Er ließ seinen Samen und sein Blut untersuchen und weil die Wissenschaft schon sehr fortgeschritten war, konnte man ein Gen nachweisen, das man auch in den jahrhundertealten Knochen von Don Juan und Giacomo Casanova entdeckt hatte: Das Casanova-Gen. Nach diesem Befund fand er sich mit seinem ohnehin nicht besonders unbequemen Schicksal ab, ja, es lieferte eine Erklärung, die noch unanzweifelbarer war als jede zuvor bis nach ein paar Wochen ein Ergebnis nachgereicht wurde. Man hatte die frische Untersuchung mit der Blutentnahme aus seiner Frühchenzeit verglichen und konnte dort kein solches Gen entdecken.</description>
    <dc:creator>Autor.in</dc:creator>
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    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 Autor.in</dc:rights>
    <dc:date>2007-12-01T09:00:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://shortbuttender.twoday.net/stories/4382908/">
    <title>Ein Tag wie jeder</title>
    <link>http://shortbuttender.twoday.net/stories/4382908/</link>
    <description>Die Erledigung hatte ein wenig länger gedauert als erwartet. Als ich aus dem kathedralartigen Portal der Bank trat, versuchte sich ein Hupgeräusch den Weg durch die dröhnende Eintönigkeit des Großstadtverkehrs zu bahnen. Ich sah eine junge blonde Frau unter dem morgenblauen Himmel in der offnen Tür ihres Wagens stehen. Der routinemäßige Wechsel von Hupen und Loslassen hinterließ in ihrem Gesicht weder Anzeichen von Wut noch Resignation. Das Auto, das ihr die Möglichkeit zum Wegfahren versperrte, war meines. Ich bediente die Türentriegelung nicht aus einer imponierenden Entfernung, wie sonst manchmal. Im Gegenteil, ich hoffte, dass sie das unterdrückte Quietschen der Zentralverriegelung als eine Art Entschuldigung auffasste. Ich schaltete gedankenlos den Motor ein und sah beim Blick über die Schulter, dass die Frau noch immer in der Tür ihres Wagens stand. Die Sonne fiel direkt in ihre Augen. Ihr helles Haare wurde umgeben von einem rötlich goldenen Schein.&lt;br /&gt;
Ich ließ die Scheibe herunter.&lt;br /&gt;
Wollen Sie einen Kaffee mit mir trinken?&lt;br /&gt;
Sie sah mich an, wie erwachend und ohne Anzeichen von Ärger.&lt;br /&gt;
Ja, warum nicht, erwiderte sie langsam.&lt;br /&gt;
Ich kenne um die Ecke einen netten Platz, sagte ich, meine Ungläubigkeit unterdrückend.&lt;br /&gt;
Sie schloss ihr Auto ab, sie meinte, dass sie wohl einen ganz passablen Parkplatz hätte und daher das Stückchen auch mit mir fahren könnte. Sie stieg in meinen Wagen und ich fuhr wie in Trance durch meine Stadt, erinnerte mich vage, manche Ecken schon mal gesehen zu haben. Wir fanden einen Parkplatz nahe dem Retiro. Dann schritt sie neben mir her, die Kiesel knirschten unter den Füßen. Über den Teich schwappte Gitarrenmusik, jemand, den man nicht sehen konnte, plimperte Stairways to heaven. Als hätte sie erraten, was ich dachte oder was mir diffus durch den Kopf ging, schmunzelte sie hörbar, während wir drei, vier Stufen erklommen und auf ein leeres Parkcafé zusteuerten.&lt;br /&gt;
Was hatten Sie denn heute noch vor, mit Ihrem Tag?, fragte ich.&lt;br /&gt;
Das erzähl ich Ihnen später. Erst sind Sie dran.&lt;br /&gt;
Ich sah eine getigerte Katze hinter einer Reihe von Büschen entlang huschen und fragte mich, wie sie hier her kam und vor allem, wie wieder heraus, über die schwer befahrenen Straßen, die den Retiro umgaben.&lt;br /&gt;
Mein Tag? Ganz gewöhnlich, ein paar Termine, etwas am Rechner sitzen, am Abend ein Essen mit Geschäftspartnern.&lt;br /&gt;
Ich entschuldigte mich nach diesem Stichwort, rief im Büro an, schwindelte gelinde in das Mobiltelefon und schaltete es aus.&lt;br /&gt;
Nun Sie, sagte ich und wagte, ihre ausgestreckt auf dem Tisch liegende Rechte mit meinen Händen einzuzäunen. Einzumauern. Ich nahm eine Hand wieder weg.&lt;br /&gt;
Ich wäre mit dem Zug elf Uhr fünfundvierzig nach Barcelona gefahren, um dort morgen zu heiraten.&lt;br /&gt;
Oh, gratuliere, sagte ich reflexartig. Ich schaute eine Weile auf das Wasser. Der unsichtbare Gitarrenspieler suchte gerade in seinen Noten.&lt;br /&gt;
Das bedeutet, ihr Ticket ist gerade ungültig geworden, sagte ich. Das tut mir leid, ich ersetze es Ihnen selbstverständlich.&lt;br /&gt;
Nein, nein, sagte sie, Ihnen geht wahrscheinlich auch ein wichtiges Geschäft durch die Lappen.&lt;br /&gt;
Durch die Lappen, hatte sie tatsächlich gesagt. Ein Geschäft. Ich berührte ihre Hand und wollte sagen, dass die Geschäfte bei mir alles andere als schnell und verbindlich vonstatten gingen, aber ich sagte: Ein Geschäft ist doch nichts im Vergleich zu einer Hochzeit.&lt;br /&gt;
Das kommt darauf an, sagte sie und lachte.&lt;br /&gt;
Mich überkamen ungeahnt kitschige Wallungen angesichts ihrer Augen. Bisher hatte ich Blau mit Klarheit und Kühle verbunden und verspürte höchstens einen exotischen Reiz, aber ihre Augen empfand ich als klar und warm. Die engmaschige Lehne in meinem Rücken schien nachzugeben, so dass ich fürchtete, nach hinten weg zu sinken.&lt;br /&gt;
Ist Ihnen nicht wohl?, fragte sie mit besorgter Stimme.&lt;br /&gt;
Doch, sehr.&lt;br /&gt;
Sie holte ein Tuch aus ihrer Tasche und tupfte mir den Schweiß von den Schläfen. Ich hatte noch nie zuvor an meinen Schläfen geschwitzt. Sie rief nach einem Glas Wasser.&lt;br /&gt;
Mir, sagte ich, nachdem ich das Glas in einem Zug geleert hatte, mir ist schon viel passiert, aber das nicht.&lt;br /&gt;
Was?, fragte sie, ihre Augen aufmerksam in meine versenkend. Ich konnte diesem Blick nicht lange standhalten und verspürte den merkwürdigen Zwang, genau das zu sagen, was ich dachte.&lt;br /&gt;
Ich würde gern mit Ihnen sein.&lt;br /&gt;
Mit mir schlafen?&lt;br /&gt;
Die Frage versetzte mir einen Stoß.&lt;br /&gt;
Nein, nein, verstehen Sie mich nicht falsch.&lt;br /&gt;
Sie sind verheiratet? Und katholisch?&lt;br /&gt;
Ja nein, ich meine, katholisch, ja.&lt;br /&gt;
Sie öffnete ein Zuckertütchen und leerte es in den Kaffee, den sie bisher ohne etwas getrunken hatte. Sie strich sich die Haare aus dem Gesicht und beging jede Bewegung mit einer Kontenance, die wirkte, als sei sie jeder Situation gewachsen.&lt;br /&gt;
Wie haben Sie denn Ihren Bräutigam kennen gelernt, fragte ich mit dem festen Entschluss, mein Leben wieder in meine Hände zu nehmen.&lt;br /&gt;
Vor acht Jahren. Auf einer Insel. Vor einem Jahr sind wir dann endlich zusammen gekommen.&lt;br /&gt;
In meinem Kopf rumorten die Sätze.&lt;br /&gt;
Ich habe noch die Schlüssel zu meiner alten Wohnung, sagte sie.&lt;br /&gt;
Sie möchten also nichts mehr trinken?&lt;br /&gt;
Sind Sie nun verheiratet oder nicht, fragte sie auf einmal nachdrücklicher.&lt;br /&gt;
Ich konnte nicht lügen. Wieder das Gefühl, den Halt des Stuhles zu verlieren, diesmal zog er sich unter mir weg in Richtung Boden.&lt;br /&gt;
Ich könnte mich scheiden lassen, sprach es aus mir heraus. Im gleichen Moment schimpfte eine Stimme los, die ich bisher nicht kannte.&lt;br /&gt;
Was redest du denn da für eine verdammte Scheiße?&lt;br /&gt;
Sie hatte Recht, die Stimme in meinem Innern, die hoffentlich nur in meinem Innern zu hören war. Noch gestern hatte ich nach etlichen Drinks meinem Kumpel anvertraut, dass meine Frau mir wie eine letzte Bastion vorkam, besonders jetzt, in der Wirtschaftskrise. Und noch heute morgen (ich sah automatisch auf die Uhr, um festzustellen, dass es gerade vier Stunden her war), hatte ich einen Kuss in die Schlafwärme zwischen ihre Wange und das Kopfkissen gedrückt, im Stillen dankbar, dass sie ihren sehnlichen Wunsch nach einem Kind noch einmal, wieder einmal aufschob, für uns.&lt;br /&gt;
Die Kellnerin kam auf das Zeichen hin, das ich in die Luft geschrieben hatte. Ich griff in mein Portemonnaie, das Geld fügte sich in meine Hand wie ein Lappen, ein Lappen aus abgegriffenem Papier.&lt;br /&gt;
Wir fuhren zu der Adresse, die sie mir genannt hatte. Wir redeten nicht. Die Musik passte nicht zu meiner Stimmung. Ich wusste nicht, welche Musik gepasst hätte. If I could fly, gab es so ein Lied?&lt;br /&gt;
Ich brauche nicht unbedingt Musik, sagte sie, sagte sie weich. Nicht weichgespült, sondern in der natürlichsten Verbindung von klar und weich. Wir hielten vor einem zeitlosen Haus. Sie bediente den Lift und öffnete die drei Schlösser zu der Wohnung mit gewohnten Handgriffen.&lt;br /&gt;
Ich wartete darauf, dass in dem Film, in dem ich ungefragt mitspielte, das erwartete Unerhörte eintrat, dass hinter der Tür meine Frau stand mit einem Schild um den Hals Überraschung, mein Schatz. Oder dass mich die Frau in den S/M-Keller unter ihrer Küche führte.&lt;br /&gt;
Hast du Hunger?, fragte sie. Ich bin Spezialistin für schnelle Gerichte.&lt;br /&gt;
Ich, danke, ich hab keinen Hunger. Wo ist denn das Bad?&lt;br /&gt;
Die Stille zwischen den Kacheln sollte mir helfen, mich wieder zu finden. Stattdessen stellte ich fest, dass im Bad die Ritzen neu verfügt waren und die Fliesen ihrem Ursprung nach azurblau . Das Haar, das sich halb unter dem Bodentuch ringelte, ließ mich fühlen, als wäre ich hier zu Hause. Wahrscheinlich saß ich sehr lange auf dem geschlossenen Toilettendeckel.&lt;br /&gt;
Sie hatte ein paar Häppchen auf einer Platte arrangiert. Alles was der Eisschrank hergegeben hat, sagte sie. Eine Mischung aus mediterraner und mitteleuropäischer Küche: Muscheln in einer Meerrettich-Creme und Tintenfischringe in Käsemantel. Durch das Hellblau ihrer dünnen Bluse ahnte ich das Blumenmuster ihres BHs, ahnte die Form ihrer Brüste, nicht üppig, sondern in Harmonie mit ihrem ranken Körper. Ich hatte nicht das Gefühl, dass ich etwas sagen müsste. Ich ließ sie mein Hemd aufknüpfen. Ich küsste ihren Hals. Zu sanft. Verdammte Scheiße, hämmerte die Stimme von innen gegen den Kopf, aber irgendwie nur formal, kraftlos. Warum auch strichen ihre Finger so über meine Brust, als wollten sie gar nicht um jeden Preis mein Hemd abstreifen, als meinte sie wirklich mich, einen Mann, der bis heute morgen noch zufrieden war mit seinem Leben.</description>
    <dc:creator>Autor.in</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://shortbuttender.twoday.net/topics/Stories&quot;&gt;Stories&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 Autor.in</dc:rights>
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    <description>&lt;a href=&quot;http://shortbuttender.twoday.net/topics/Zu+den+Autoren/&quot;&gt;Interviews mit den Autoren&lt;/a&gt;</description>
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    <title>Sternstundensekunden und Einschaltquoten</title>
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    <description>&lt;a href=&quot;http://autorenschrittmacher.blog.de/2007/10/02/buchmacherinterview_anna_kaleri_uber_ste~3071272&quot;&gt;Interview mit Anna Kaleri, Link zum Autorenschrittmacher&lt;/a&gt;</description>
    <dc:creator>Autor.in</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://shortbuttender.twoday.net/topics/Zu+den+Autoren&quot;&gt;Zu den Autoren&lt;/a&gt;</dc:subject>
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    <title>Nachtpost</title>
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    <description>Ich lege den Taschenrechner beiseite, unterschreibe, falte das Papier mit geübtem Augenmaß, füge die Klebe-Laschen aneinander. Dann schäle ich mich aus meiner Tageskleidung, stelle mich in die Badewanne, das Email unter den Füßen bleibt kalt. Ich habe keine Geduld, Wasser einlaufen zu lassen. Ich verbrauche beim Duschen so viel Wasser wie andere beim Baden, heißes Wasser. Rot wird meine Haut, leuchtend von innen, fleischig. Ich dehne mich in meiner Haut aus, fühle etwas in mir pulsieren, gegen den Schlaf, zu dem ich mich zwingen müsste. Ich ziehe mein Nachthemd über, blaue Blümchen auf weißem Baumwollgrund. Ernst schnarchelt leise im verzerrten Lichtkarree, dass die Badezimmerlampe zu ihm herüber wirft. Er steht morgens um Sechs auf und muss deshalb abends um Zehn ins Bett. Ich ziehe meinen schwarzen Rock über, der noch vom Theater am Wochenende über dem Paravent hängt, Wollstrümpfe, meine bequemsten Schuhe, die wie Wanderschuhe aussehen, weshalb ich sie in der Stadt eigentlich nicht tragen kann. Einen Wollschal lege ich über Brust und Bronchien. An meinem Pelzmantel hängt ein Knopf nur noch an wenigen Fäden, aber ich hätte keine Geduld für Nadelöhr und Faden. &lt;br /&gt;
Auf den Stufen einer Familienvilla flackert Licht in dem ausgestochenen Schlund eines Kürbisses. An der Hauptstraße verdoppeln sich die Laternen und ihr Licht. Der Briefkasten, der nah am Bordstein steht, leuchtet in schmutzigem Gelb. Nur kurz, mit dem Blick auf die Bushaltestelle für den Flughafenzubringer, der Gedanke, der beginnenden Winterstarre, den kahlen Ästen zu entkommen. Ich greife in meine Manteltasche und finde nichts als ein zerknülltes Papiertaschentuch. Hinter den Klappe gähnt dunkle Tiefe, am Tag öffnet manchmal jemand von der anderen Seite, dann fällt unvermutet Licht ein und es ergibt sich ein Durchblick oder ein Blick in ein fremdes Augenpaar, dass genau wie ich dem Brief noch eine Weile folgen will, wie um sicher zu stellen, dass er wirklich im Kasten landet. Ich lasse die Klappe sinken. Nicht weit von mir fällt etwas plimpernd zu Boden. Eine Münze rollt über das Gehwegpflaster und gerät in einen Spalt. Ich hebe sie auf, die Münze ist groß wie ein 50-Cent-Stück, aber Prägung erscheint mir seltsam.&lt;br /&gt;
Wie wärs mit San Salvador?, fragt eine dumpfe Stimme aus der Bushaltestelle. Sie kommt von einem schwarzen Mantel, unter einem tief gezogenen Hut hervor. Ich strecke dem Mann etwas zittrig die Hand mit dem Geldstück entgegen.&lt;br /&gt;
Ich glaube, Sie haben etwas verloren.&lt;br /&gt;
Du kennst mich nicht?&lt;br /&gt;
Ich versuche etwas zu finden, an dem ich mich festhalten kann. Nichts. Meine Augen gleiten ab. Natürlich kennst du mich.&lt;br /&gt;
Ich glaube, Sie verwechseln mich, sage ich und lasse meine ausgestreckte Handfläche federn, um den Mann an sein Geldstück zu erinnern. Auf meiner Hand liegt, eingerollt in die Mulde der Fingeransätze, ein Geldschein.&lt;br /&gt;
Alles, was du dir wünscht, sagt die Stimme.&lt;br /&gt;
Ich stehe in der leeren Bushaltestelle und entfalte mit einem Grauen den Schein. Ein Lachen hallt um die Straßenecke. Vielleicht sind es auch die Geräusche des Busses, dessen Räder in den toten Straßenbahngleisen ächzen.&lt;br /&gt;
Der Bus öffnet die Tür, geht in die Knie, neigt mir die Trittfläche entgegen, es klingt, als würde Luft aus der Hydraulik entweichen.&lt;br /&gt;
Zum Flughafen, nehm ich an, oder was denn nun, sagt der Fahrer und: Haben Sie es nicht kleiner. Das kann ich beim besten Willen nicht wechseln. Na, gehen Sie schon durch. Da kommt heute keiner mehr.&lt;br /&gt;
Ohne zu danken, ohne zu denken, greift eine Hand nach der Haltestange, tastet sich vor, setzt sich ein Fuß vor den anderen bis zu einem Platz. Ich spüre die Wärme des beheizten Sitzes.&lt;br /&gt;
Vor dem Flughafen zieht eine Reinigungsmaschine eine einsame Runde. Das Gebäude ist spärlich beleuchtet, auf den Anzeigen stehen die Flüge für den nächsten Morgen.&lt;br /&gt;
Ich hoffe, du hattest eine gute Fahrt, raunt die Stimme von vorhin in meinen Nacken. Im Schatten seines Hutes kann ich nun seine Augen sehen. Rote Punkte tauchen auf und verlöschen. Die anderen Frauen sind in Festlichkeit gehüllt. Sie schweigen betriebsam. Sie mustern mich. An der Passkontrolle geben sie Ausweise, Schmuck und Geld ab. Der Mann schreitet als Erstes auf die Sicherheitskontrolle zu. Unter dem in den Raum gestellten Tor löst er sich auf. Ich werde sanft und beinahe tonlos geschoben und gestoßen. Mein Herz wummert von innen aus mir heraus, will es mir scheinen. Noch immer verläuft alles lautlos. Die Frauen durchschreiten das Tor und gehen in die Luft über, sie verschwimmen mit dem Raum, lösen sich in ihm auf. Ich halte mein linkes Handgelenk, um mich meiner zu versichern. Doch, da bin ich noch, ich fühle den Knochen und wenn ich die Hand beuge, rührt sich eine Sehne, ich halte mich an mir fest, auch wenn ich bei aller Helligkeit nichts mehr sehe. Ich spüre in meinem Bauch, wie die Sogkraft der Erde nachlässt. Ich hebe die Arme, falle in die Horizontale, die mich auffängt wie ein Kissen aus Luft. Mit diesem Auftrieb steige ich langsam, balanciere mich mit den Armen aus.&lt;br /&gt;
Das Dach der Halle schrumpft unter mir. Schwüler Nachtwind und Dunkelheit umhüllen mich. Fern der dunkel orange farbene Schein über der Großstadt. Und ein steter Ton, wie eine Glocke, die endlos klingt. Je höher wir steigen, desto mehr zieht es mir um die Ohren, der Wind zetert an meinen Haaren. Vereinzelt klingt das Jauchzen einer Frau. Von vorn weht das verflatterte Lachen heran, das mir schon bekannt vorkommt.&lt;br /&gt;
Nachtseiden glänzt ein Fluss, kühl- nebliger Dampf steigt auf. Die Sterne treten aus ihren Bildern heraus, ein Gebirgsmassiv hebt sich aus dem Horizont wie eine riesige, anthrazitfarbene Katze. Die Frauen bilden eine Warteschleife, das erfordert Konzentration und nach jeder geglückten Landung klingt Applaus empor. Ich peile den riesigen Strohhaufen an und strecke die Füße zum Bremsen aus. Es kracht und wird stachlig dunkel um mich. Dann werde ich aus dem Haufen gezogen. Mein Mantel wird von kichernden Frauenhänden abgestreift und ich muss das Blümchennachthemd preisgeben, während die anderen Frauen unter ihren unscheinbaren Mänteln reizende Kleider zum Vorschein bringen. Nach dem die Dekolletees zurechtgezupft wurden, öffnet sich die Traube und bildet eine Gasse für den Mann, der nun aus aufsteigendem Dampf hervor tritt. Während er vorbei schreitet, versucht manche Frau ein Stück seiner energisch wippenden Mantelstöße zu erhaschen und fällt danach exstatisch zuckend vom Weg ab in die Hände der Dunkelheit. Ich stehe am Ende des Ganges. Unbeirrt schreitet der Mann auf mich zu, stechenden Blickes, als wolle er durch mich hindurchgehen. &lt;br /&gt;
Von einem Schauer durchzuckt, öffnet Ernst die Augen. Auf dem Display des Radioweckers pulst zwischen der Sechs und den zwei Nullen ein roter Doppelpunkt. Die vertraute, tiefe Stimme des Sprechers gibt sanft und traumweich die Nachrichten bekannt. Ernst greift auf die Bettseite neben sich in der gewohnten Vergewisserung, dass die Welt nach einem verstörenden Traum immer die Gleiche bleibt.</description>
    <dc:creator>Autor.in</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://shortbuttender.twoday.net/topics/Stories&quot;&gt;Stories&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 Autor.in</dc:rights>
    <dc:date>2007-10-01T22:27:00Z</dc:date>
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    <title>Cats and Secrets</title>
    <link>http://shortbuttender.twoday.net/stories/4254022/</link>
    <description>Interview: Amanda Delmar, Albany Times Union&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Herr Hard, Sie haben sich einige Zeit in der New Yorker Off-Broadway-Szene hervor getan, dann ist es anscheinend still um Sie geworden. Was, um Himmels Willen, machen Sie in den Wäldern?&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe von einem Freund die Hütte zur kostenlosen Verfügung und arbeite an einer größeren Sache. Ich genieße die herrlich klare Luft, die Laubfärbung und dass ich den Tag so gestalten kann, wie es mir gefällt. Wenn ich keine Lust habe, aufzustehen, stehe ich eben nicht auf. Oder wenn ich am Schreiben bin, kann es passieren, dass ich eine Nacht durcharbeite. Ansonsten hacke ich Holz und mache ganz essentielle Dinge, die dem Leben einen Sinn geben, den man als Städter leicht mal aus den Augen verliert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Sie betreiben zusammen mit einer deutschen Autorin einen Blog, auf dem Sie monatlich eine Short Story veröffentlichen. Wie ist es zu dieser Zusammenarbeit gekommen?&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben uns in der Schweiz kennen gelernt. Anna war zu dieser Zeit verheiratet und ich habe katholische Theologie studiert. Da führte also kein Weg rein, wenn Sie verstehen, was ich meine. Wir haben uns auf einen platonischen Austausch geeinigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Ihre Short Stories sind allerdings erotisch.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das blieb nicht aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Die Seite heißt Short, but tender. Wie zart oder wie fleischlich ist für die Autoren Erotik?&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darüber haben wir ziemlich verschiedene Auffassungen, das ist im Austausch über die Texte immer klarer geworden. Für Anna lautet das Experiment, dass sie so schreiben will wie ein männlicher Autor und ich muss gestehen, manchmal bin ich ein wenig geschockt, was dabei rauskommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Wie sieht Ihre Zusammenarbeit im Einzelnen aus?&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kein Text wird ohne das Gegenlesen durch den anderen veröffentlicht und mitunter gibt es dann eine zweite oder dritte Fassung. Wir unterzeichnen beide mit Autor.in, das ist im Deutschen eine Zusammenfassung von der männlichen und weiblichen Form für Schriftsteller.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Streiten Sie sich auch manchmal?&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eigentlich ist alles sehr spannend und konstruktiv. Aber einmal habe ich einen Text von ihr zu frei übersetzt und sie war so ärgerlich, dass wir fast ein halbes Jahr keinen Kontakt hatten. Aber das kann schnell mal passieren, wenn man sich den Text des anderen zu sehr zu eigen macht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Haben Sie versucht, die Texte in Buchform zu veröffentlichen?&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige sind schon in Anthologien erschienen. Die deutschen Verlage meinen, dass Short Stories keiner kauft. Das ist total paradox, weil mir die Leute immer sagen, dass sie am liebsten abgeschlossene kurze Geschichten lesen, zum Beispiel abends im Bett. Und die Besucherzahlen auf dem Weblog sprechen für sich. Innerhalb von ein paar Wochen wurde manche Story schon hundert oder zweihundert Mal gelesen. Die Sachen, die wir probehalber Verlagen angeboten haben, waren denen für Erotik zu literarisch und für Literatur zu erotisch und manche Stories zu sexuell, das ist so ein weiteres Beispiel für Schubladendenken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Amos Hard ist Ihr Schreibpseudonym. Warum sind Sie nicht bei Ihrem Namen geblieben?&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich wollte noch mal eine neue Fassette meiner Persönlichkeit ausprobieren. Ich habe mal eine Weile Gesangsunterricht genommen, weil es doch immer heißt, jeder Mensch kann singen lernen. Es ist mir ungeheuer schwer gefallen, mich vor jemanden zu stellen und einen Ton heraus zu lassen. Da habe ich mir vorgestellt, ich sei nicht ich, sondern Pavarotti  und es hat funktioniert, für mich jedenfalls.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Was haben die Geschichten mit Katzen zu tun?&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Katzen sind sinnliche, eigenwillige Tiere. Man kann sie nicht an eine Leine nehmen. Wenn man ihnen Kunststücke beibringen will, machen sie eine Weile mit, bis es ihnen zu blöd wird und sie ihrer Wege gehen. Bei uns symbolisieren sie etwas Triebhaftes, das sehr geformt wird und irgendwie um die Grenze von Subtilem zu Offensichtlichem herum schwänzelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Übersetzung: Anna Kaleri</description>
    <dc:creator>Autor.in</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://shortbuttender.twoday.net/topics/Zu+den+Autoren&quot;&gt;Zu den Autoren&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 Autor.in</dc:rights>
    <dc:date>2007-09-12T13:38:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://shortbuttender.twoday.net/stories/4229779/">
    <title>Die Göttin neben mir</title>
    <link>http://shortbuttender.twoday.net/stories/4229779/</link>
    <description>Deswegen kommst du erst jetzt, stellte Josephine fest.&lt;br /&gt;
Mich wollte kein Taxifahrer mitnehmen, sagte ich.&lt;br /&gt;
Ich hätte dich ja abholen können.&lt;br /&gt;
Es gab da Einiges, dass ich ihr nicht erklären konnte. Zum Beispiel, warum mir dieses abgehärmte Fellbündel überhaupt im Müll an der Straße aufgefallen war oder warum ich ohne nachzudenken nach ihm griff. Mir war es selbst schleierhaft, wie ich es unbemerkt durch den Zoll geschleust hatte oder wie es mir gelungen war, die Stewardess zu besänftigen. Schon bevor mir die Katze zulief oder genauer, bevor ich ihr meine Idee von einem besseren Leben aufdrängte, hatte ich zu Hause angerufen und Josephine gesagt, dass sie mich nicht abzuholen brauche. Dreizehn Stunden Flug erschienen mir viel zu kurz, um von Nepal Abschied zu nehmen und in Wien anzukommen, bei Josephine.&lt;br /&gt;
Ich nannte die Katze Kumari  und erklärte meiner Frau, ich hätte das Wort irgendwo aufgegriffen, wüsste aber nicht, was es bedeute. Beim Tierarzt stellte sich heraus, dass Kumari alle erdenklichen Würmer und Ungeziefer mitgeschleppt hatte. Das Schicksal der Katze und dass der Arzt sozusagen Entwicklungshilfe leistete, machten keinen Eindruck auf ihn: Er schrieb eine stattliche Rechnung. Die kleinen Delikatessen, die ich für Kumari kaufte, brachten ihr Fell zum Glänzen. Ein einfaches Ei hätte die selbe Wirkung, meinte Josephine, aber die Katze nahm zu und wurde ein schwarzes graziles Luxusstück, das den Küchenschrank krönte und von dort nicht herunter zu locken war. Ihr Futter holte sie sich, wenn wir schliefen oder außer Haus waren. Wenn sie zur Katzentoilette huschte, bekamen wir höchstens ihre Schwanzspitze zu sehen.&lt;br /&gt;
Ob ich an das Mädchen dachte? Wir schrieben uns per E-Mail. Sie stellte in ihrem schlichten, aber fast fehlerfreien Englisch Fragen zu Wien und den Schlössern und Parks. Sie schrieb, dass sie gern in Europa Architektur studieren würde. Ab und zu fügte sie einen deutschen Satz ein, den sie mit Hilfe eines Wörterbuchs zusammengesucht hatte. Ich überflog ihre langen Briefe im Büro, schrieb ein paar Worte in der Art, dass ich mich gern an die Stunden mit ihr erinnere und dass ich mich von ihr umkreist fühle wie von einem Stern. Genauer, aber unpoetischer, hätte ich schreiben müssen, sie umkreise mich wie ein Mond und das war noch auf eine zweite Weise wahr. Denn der Mond war wie ihr Bild mal ganz, mal halb, mal gar nicht sichtbar, abhängig von jenem dritten Gestirn, der Erinnerung. Wie konnte ich den wenigen Stunden trauen, in denen wir uns kennen gelernt hatten. In einer anderen Welt, in einer Ausnahmesituation.&lt;br /&gt;
Wir hatten uns nichts versprochen. Trotzdem zog ich es vor, Josephine nichts davon zu erzählen. Irgendwann schlief der Kontakt von selbst ein. Vielleicht war auch ich es, der aufhörte zu schreiben.&lt;br /&gt;
Ein paar Jahre später rief eine Frau im Büro an und sagte auf Deutsch, sie sei Rashmila aus Nepal und ob ich mich noch an sie erinnere. Mir fiel der Hörer aus der Hand und beim Hochheben muss ich versehentlich eine Taste berührt haben. Die Verbindung war beendet. Ich rief die Nummer zurück. Ich entschuldigte mich und fragte, wer dort sei. Rashmila sprach nun Englisch. Ich fragte in irgendeiner Geistesgegenwart, wo sie sich gerade aufhalte.&lt;br /&gt;
I´m in Vienna, antwortete sie selbstverständlich.&lt;br /&gt;
Where are you?, fragte ich noch mal.&lt;br /&gt;
In a hotel in Porzellangasse.&lt;br /&gt;
Stay where you are, rief ich in den Hörer und rannte am fragenden Gesicht meines Kollegen vorbei aus dem Büro. Im Taxi versuchte ich einen klaren Gedanken zu fassen und fragte mich, ob es nicht etwas voreilig war, zu ihr zu fahren ohne nach Begleitumständen zu fragen. Es konnte ja sein, dass sie geheiratet hatte und mit ihrem Mann durch Europa reiste. Aber viel stärker war der Wunsch, sie zu sehen, sie mit dem Bild abzugleichen, dass ich mir von ihr gemacht hatte.&lt;br /&gt;
In der Lobby des Hotels saß eine Frau mit Pagenschnitt und einer eleganten Anzugjacke über einem lila Rock, dessen goldener Rand auf dem Boden schleifte, als sie strahlend auf mich zu kam, ihre weißen Perlenzähne entblößte und meinen Namen nannte. Wir aßen in einem kleinen Restaurant, dass ich gut kannte, weil ich dort sonst mit Josephine aß und wir erzählten, als würden wir nur an die letzte E-Mail anknüpfen und mir fiel wieder ein, dass uns in den wenigen Stunden damals mehr verbunden hatte als eine körperliche Anziehung und dass mir zwar immer ihre knabenhaften Hüften und die schwarzen Augen vorgeschwebt hatten, aber nur, weil es das einzige Konkrete an dieser Erinnerung war. Ihr Körper war weiblicher geworden und sie sah so unwahrscheinlich schön aus, dass ich ihr gegenüber nie etwas anderes empfunden hätte als das Hingezogensein zu etwas Unerreichbarem. So und auch nur so, konnte ich Josephine die ganze Geschichte erzählen, denn ich wollte Rashmila nicht von meinem Leben ausschließen, ich wollte, dass sich beide Frauen kennen lernten und irgendwie ließ sich Josephine von der Harmlosigkeit der ganzen Sache überzeugen und stimmte zu, dass Rashmila ein paar Tage bei uns wohnen konnte.&lt;br /&gt;
Als Rashmila die Wohnung betrat, geschah etwas Merkwürdiges. Die beiden Frauen hatten sich gerade zurückhaltend begrüßt, als Kumari am Ende des Flures auftauchte, kurz stehen blieb und, wie es schien, unseren Gast anvisierte. Sie gab ein Tönchen von sich und wandelte in aller Seelenruhe in die Küche zurück. Beim Essen saß Kumari in einiger Entfernung auf dem Sofa, wo sie noch nie gesessen hatte und Rashmila hatte kaum ihr Besteck aus der Hand gelegt, da sprang ihr die Katze auf den Schoß und ließ sich streicheln.&lt;br /&gt;
Josephine versuchte sich ihre Gekränktheit nicht anmerken zu lassen und ich sagte im Scherz, dass Rashmila und die Katze die gleiche Sprache sprächen.&lt;br /&gt;
Ich machte für Rashmila eine Liste, wann sie welche Sehenswürdigkeit besichtigen könnte, erklätte ihr die Wege auf dem Stadtplan und versprach, am Wochenende mit ihr nach Schönbrunn zu fahren. Als ich am Donnerstagabend nach Hause kam, fand ich einen Zettel. Sie bedankte sich für unsere Gastfreundlichkeit und sei schon auf dem Weg nach England, wenn wir den Zettel finden würden.&lt;br /&gt;
Kurz darauf wurde Kumari krank. Der Arzt röntgte sie, entnahm Blut. Er konnte nicht sagen, was es war und verwies mich an einen Tierpsychologen.&lt;br /&gt;
Die Krankheit wirkte sich so aus, dass Kumari den Futterbecher nicht mehr ausschleckte, und sich in der Küche ihren Platz eine Etage tiefer neben der Arbeitsfläche einrichtete. Sie flitzte auch nicht mehr auf Toilette, sondern ging gemächlich, und alles hätte genauso gut als Zeichen einer normalen, gesunden Katze gelten können, wenn ihr nicht eine unbeschreibliche Traurigkeit anlastete.&lt;br /&gt;
Nach zwei Jahren kam per Post eine Nachricht aus England über Rashmilas Vermählung mit einem deutschen Ingenieur und sie lud uns herzlich aber augenfällig der Höflichkeit wegen zu ihrer Hochzeit ein. Uns. Dieses Uns bestand bald nur noch aus Kumari und mir. Josephine offenbarte mir, dass sie schon seit einiger Zeit ein Verhältnis mit einem Kollegen hatte und dass es an mir lag, weil ich für die Katze mehr Aufmerksamkeit übrig gehabt hätte als für sie. Es half nicht, ihr die schönen Stunden, die überwundenen Krisen, die gewachsene Verbindung aufzuzählen.&lt;br /&gt;
Ich ertappte mich dabei, dass ich immer häufiger an Rashmila dachte und versuchte, mir sie in England an der Seite eines Mannes vorzustellen, der wahrscheinlich zur Hochzeit einen Vertrag mit ihr abgeschlossen hatte, der schon die Scheidungsbedingungen festlegte. Ein deutscher Ingenieur. Ich konnte es mir nicht vorstellen. Dafür wurde unser Spaziergang durch den ehemaligen Klostergarten wieder so lebendig, als wären zwischendurch nicht ganze sieben Jahre vergangen. Ich sah sie unter dem Torbogen mit vergoldeten Drachen und Schlangen stehen, als wir uns verabschiedeten. Nicht einmal einen Kuss haben wir gewagt. Sie glaubte an die Wiedergeburt und hatte mir fest in die Augen gesehen und ohne einen Anflug von Traurigkeit gesagt: Also dann, bis zum nächsten Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Rechte vorbehalten.</description>
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